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Visitation der Kirchengemeinde im August 2018 siehe

Andacht

RPR1. "Angedacht": Ganz bei Trost... Wie geht Trösten?

Andacht vom 05.12.2019 von
Alida Euler
(zum Anhören auf den Lautsprecher klicken)

Radegast unsere Partnergemeinde

Radegast ist die kleinste Stadt Sachsen-Anhalts. Sie liegt an der B 183 und hat ein eigenes Stadtwappen. Die Gemarkung Radegast grenzt im Südosten an das Naturschutzgebiet "Cösitzer Teich" und im Süden an das Landschaftsschutzgebiet "Fuhneaue". 

In Radegast gibt es eine Vielzahl von Vereinen und Vereinigungen, die am gesellschaftlichen Leben der Stadt regen Anteil haben. 

Am weitesten bekannt wurde Radegast jedoch durch das "Landgestüt des Landes Sachsen-Anhalt, Radegast", das aber leider nach Prussendorf verlegt worden ist. Heute ist das Gelände des ehemaligen Landesgestüts privatisiert. Für Pferdefreunde gibt es weiterhin ideale Möglichkeiten ihren Sport auszuüben bzw. Reittouristik zu unternehmen. Auch eine Pensionspferdehaltung ist möglich. Die Nähe der Fuhneniederungen bietet dazu hervorragende Bedingungen!

Aktivitäten in chronologischer Abfolge

Grüße aus unserer Partnergemeinde Radegast/Anhalt

Aus dem Gemeindebrief Dezember-Januar 2013-14

Liebe Freunde in der Pfalz!

Es ist mal wieder Zeit für einen Gruß aus Radegast und Zehbitz .

Wir haben in der Kirche Radegast einen weiteren Bauabschnitt geschafft. Das Querschiff ist fertig, d.h. es hat einen neuen Anstrich und neu gestaltete Fenster. Auf jeder Seite hat der Künstler Thomas Kuzio (er hat schon den Altarraum gestaltet) das große Fenster und die drei kleinen Oberlichter neu ins Licht gesetzt und künstlerisch gestaltet.

Die Finanzierung der Fenster war auch Dank der Spenden aus Billigheim-Ingenheim möglich.

Außer der Fertigstellung der Fenster ist es bei uns sehr ruhig. Alles läuft seinen Gang. Ich bin auch so langsam im Pfarramt Weißandt-Gölzau angekommen und gebe mir die größte Mühe. Langsam kommt dort auch wieder Bewegung ins Gemeindeleben.

Strukturell sind mein Kollege und ich dabei unsere beiden Pfarrämter in ein Gemeinschaftspfarramt zusammenzuführen. Dies gestaltet sich doch etwas zäh. Nicht jeder Kirchenälteste ist davon überzeugt und hat Bedenken. Bis wir das geschafft haben, muss noch jede Menge Wasser die Fuhne herunterfließen.

In Billigheim-Ingenheim alle sorgenfrei? Vielleicht hören wir mal wieder etwas voneinander.

Aus Radegast für heute viele liebe Grüße!Anke Zimmermann, Pfarrerin

 


25 Jahre Partnerschaft zwischen den Kirchengemeinde Radegast und Billigheim-Ingenheim

18 Gemeindeglieder aus Billigheim-Ingenheim haben sich am Donnerstag, den 7. Juni 2012, zusammen mit ihrem Pfarrer Stephan Heinlein auf den Weg gemacht, um mit der Kirchengemeinde in Radegast bei Köthen ein tolles Jubiläum zu feiern: 25 Jahre währende Partnerschaft! Vom emsigen Frauenkreis Ingenheim einst angestoßen konnte 1987 mit einem ersten Besuch in der damaligen DDR-Gemeinde der Grundstein für diese Partnerschaft gelegt werden. Seit dem gab es einen regen brieflichen Austausch und einige Besuche in Radegast. Mit der Wende war die Einbahnbesuchspartnerschaft beendet. Nun konnte die Beziehung zueinander in wechselseitigen Besuchen vertieft und gefestigt werden. Natürlich gab es auch ein paar „Durchhänger“, waren die Gemeinden teilweise zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Doch immer wieder setzten sich die freundschaftlichen Bande durch und so kam es zu etlichen Besuchen hinüber und herüber.

Das nun anstehende Jubiläum wurde verbunden mit einem Besuch auf dem Anhaltinischen Kirchentag in Ballenstedt. Doch vorher hatten wir reichlich Gelegenheit alte Beziehungen und Freundschaften zu beleben. Herzlich wurden wir von der Partnergemeinde willkommen geheißen und in einem Gottesdienst sogar vom Kirchenpräsident der Anhaltinischen Landeskirche Joachim Liebig begrüßt. Wir lernten den Ort Repgow kennen, dessen berühmtester Sohn Eike den Sachsenspiegel hervorgebracht hat. Ein ganzer Ort gab mit Bildern und Erklärungen Zeugnis von diesem gewichtigen Gesetzeswerk. In der berühmten Kreisstadt Köthen konnten wir in der Kirche St. Jakob einem eigens für uns vorbereitetem Orgelkonzert auf der bedeutenden Ladegast-Orgel lauschen. Eine Wanderung an der Fuhne, dem Grenzfluss zwischen Sachsen und Anhalt, brachte uns die Umgebung von Radegast nahe. Besonders der Altar von 1480 in der kleinen Cösitzer Kirche begeisterte uns. Die Abende gehörten den Gastfamilien, einem reich bebilderten geschichtlichen Rückblick zum Werdegang der gemeinsamen Partnerschaft und einem bunten Abend, gewürzt mit Gedichten und Geschichten, Kabarett und Kirchenchor.

Am Sonntag, den 10. Juni fuhren wir dann gemeinsam zum Anhaltinischen Kirchentag in Ballenstedt. Beim Gang über den sehr informativen Markt der Möglichkeiten trafen wir auch Pfarrer Andreas Müller, der 1987 als Vikar in Radegast die Partnerschaft mit begründet hat. Bläserensembles leiteten den Hauptvortrag ein, der unter dem Thema stand: „Wieviel Kirche  braucht der Staat“. Nach diesen tiefen Eindrücken mussten wir uns leider viel zu früh wieder auf den Rückweg machen.

Eine wunderschöne Begegnung liegt hinter uns bei der wir reichlich Gelegenheit hatten, die partnerschaftlichen Bande und persönlichen Beziehungen zu pflegen und zu befestigen. 

Hier finden Sie eine Bildergalerie.


Aus dem Gemeindebrief April / Mai 2011

Liebe Freunde in Billigheim-Ingenheim!

Wir möchten uns aus Radegast melden und ganz herzliche Grüße aus Anhalt senden. Seit unserem letzten Besuch in der Pfalz ist nun schon einige Zeit vergangen. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir uns wiedersehen. Wir möchten nach Anhalt einladen.

Zwischenzeitlich hat sich in unserer Kirche einiges verändert. Die Baustelle, die noch beim letzten Besuch im Jahr 2006 herrschte, hat sich nun schon seit mehreren Jahren als warme Winterkirche bewährt. Auch konnten wir vor einem Jahr die Altarfenster mit Altarraum neu gestalten. Der Künstler Thomas Kuzio hat in einem ziemlich aufwendigen Verfahren drei Fenster geschaffen, die auch schon in der Kunstwelt für Interesse gesorgt haben. Radegast wird jetzt oft im Zusammenhang mit „Christliche Kunst auf dem Dorf“ gezeigt und beschrieben. Darauf sind wir schon ein bisschen stolz. Wenn alles gut geht, und dass sieht im Moment so aus, werden wir mit der weiteren Gestaltung, die Fenster des Querschiffes und dessen Ausmalung, in diesem Jahr weitermachen können und hoffen, dass der Rest des Kirchenschiffes dann in den nächsten fünf Jahren zum Abschluss führt. Die übernächste Etappe ist dann die Sanierung der Orgeln in Radegast und Zehbitz.

So nun zu unserem Anliegen. Im kommenden Jahr 2012 feiert das Fürstentum Anhalt sein 800jähriges Bestehen. Da sich unsere Landeskirche innerhalb der historischen Grenzen Anhalts befindet, feiern wir als Landeskirche natürlich mit. Das 800jährige Bestehen Anhalts möchten wir als Anlass nehmen und Euch, liebe Partnergemeinde, nach Radegast im schönen Anhalt, einzuladen. Am 10. Juni 2012 ist der Anhaltische Kirchentag in Ballenstedt/Harz geplant. Das wäre eine schöne Möglichkeit für einen gemeinsamen Besuch dort. Aber auch ein anderer Termin ist möglich. 2012 haben wir in Sachsen-Anhalt erst ab dem 21. Juli 2012 Sommerferien und somit könnten wir uns auch im warmen Juli treffen und gemeinsam ein paar schöne Tage miteinander verbringen.

Auch unsere Partnerschaft hätte dann einen Grund zum Feiern. So wie ich aus unserem Archiv entnehmen konnte, bestehen unsere Kontakte seit 1987 und das wären dann 2012 = 25 Jahre. Da kann man eigentlich nur feiern.

Wir würden uns über ein Wiedersehen freuen und laden dazu ganz herzlich nach Radegast ein.

 

Mit herzlichen Grüßen von der

Evangelischen Kirchengemeinde Radegast-Zehbitz

und Anke Zimmermann

Aus dem Gemeindebrief Oktober / November 2009

Wir hatten Besuch aus Radegast!
Prall gefülltes Wochenende vom 28. – 30. August 2009!

Wir hatten Besuch aus unserer Partnergemeinde Radegast. Nach der Ankunft der Gäste, die mit großem „Hallo“ begrüßt wurden, tauschten wir, bei einer Stärkung, die neuesten Nachrichten aus.

Am Samstagmorgen fuhren wir nach Nothweiler zum Besuch der dortigen Erzgrube. Nachdem wir Sicherheitshelme aufhatten begann die interessante Besichtigung. Inzwischen war im Wald ein Picknick-Tisch gedeckt, der sich sehen lassen konnte. Es war ein bisschen frisch, fast hätte man Glühwein statt Schorle trinken können, doch alles hat köstlich gemundet und die Stimmung war super.

Im Anschluss daran ging unsere Fahrt weiter nach Eschbach. Hier machten wir, unter Führung von Frau Steinmüller, die Bekanntschaft mit den „Eschbacher Eseln“. Die „Eselsführung“, bei sehr schönem Wetter, war sehr lustig und informativ.

Zuhause angekommen, schnell frisch machen, evtl. noch ein Tässchen Kaffee und schon ging`s weiter ins Weingasthaus Wisser zum Rebknorzespieß-Essen. Eine talentierte Theatergruppe unserer Gäste unterhielt uns mit dem humorvollen Sketsch „Otto der Lottokönig“. 

Der Sonntagmorgen führte uns nach Dierbach zum Gottesdienst im Grünen, gehalten von Frau Pfrin. Zeeb und Pfr. Piepenbrink. Nach dem anschließenden Mittagessen verabschiedeten sich unsere Gäste und kamen, wie wir hörten, wohlbehalten in Radegast an.
Alte Freundschaften lebten wieder auf und neue wurden geknüpft, in der Hoffnung, dass die Partnerschaft auch die kommenden Jahre bestehen bleibt. (bim)

Aus dem Gemeindebrief Dezember 2006

Informationen aus unserer Partnergemeinde Radegast zu Bauaktivitäten

Der Raum unter der Orgelempore wurde mit einer Fußbodenheizung versehen und zum Kirchenschiff mit einer Glaswand abgetrennt. In den Seitenräumen finden neben einer Toilette und Lagerräumen auch eine Teeküche ihren sinnvollen Platz. Nun kann dieser neu gewonnene Raum sowohl für die Gemeindearbeit als auch – da jetzt beheizbar – als Winterkirche genutzt werden.

Dass gerade der 10. Dezember als Einweihungstermin gewählt wurde hat für die Partnergemeinde einen ganz besonderen Reiz: denn am 10. 12. 1702 begann die Geschichte der Kirchengemeinde mit ihrem eigenen Kirchengebäude. Damals war es auch der 2. Advent. Darum wird gerne an diese Tradition angeknüpft.

Wir freuen uns mit der Partnergemeinde und wünschen allen Gemeindegliedern, dem Gemeindekirchenrat und ihrer Gemeindepädagogin Frau Anke Zimmermann einen gesegneten Advent und ein gelingendes Fest. Möge von diesen neu geschaffenen Räumen aus das Evangelium freudig seinen Lauf nehmen.

Anschliesend einige Fotos von der neuen Winterkirche,  der neuen Kirchenküche und von der Einweihnungsfeier

Vier bemerkenswerte Tage in unserer Partnergemeinde Radegast

Endlich war es soweit! Seit Tagen war das Reisefieber der insgesamt 22 Fahrtteilnehmer stetig angestiegen. Bei strahlendem Sommerwetter und mit großer Vorfreude auf die Begegnung mit den Freunden in Radegast bestiegen die Mitfahrer den Bus, der sie nach einer ausgedehnten Mittagspause in „Luthers lieber Stadt“ Eisenach, mit Gelegenheit zum Besuch des Lutherhauses und des Bachhauses,

gegen 19 Uhr in „Radegast“ ankommen ließ. Hier wurden die Billigheim-Ingenheimer schon sehnsüchtig von ihren Gastgebern erwartet und mit Häppchen und einem prickelnden Be-grüßungsschluck verwöhnt.Bereits hier war die Verbundenheit, ja die Freundschaft zwischen Pfälzern und Sachsen-Anhaltern erfahrbar. Sogar den wenigen „Begegnungsneulingen“ teilte sich dies mit, auch sie waren im Nu integrierter Teil dieser in der Tat gelebten Partnerschaft, die so natürlich, völlig unkompliziert, so unaufgesetzt und ehrlich sich über die vier schönen, mit Menschen und Landschaft erlebnisreichen Tage darstellte. Tage, die erfüllt und getragen waren vom Miteinander der Radegaster mit ihren Pfälzer Besuchern, erfüllt vom gemeinsamen Erleben, Gesprächen und Feiern, auch und beson-ders in den Gottesdiensten.

Begriffe, wie rückhaltloses Auf- und Annehmen, Zusammengehörigkeit, Gemeinschaft, Partnerschaft, Freundschaft eben, wurden auf beiden Seiten nicht nur verbalisiert, sondern vielmehr konkret erlebt.

Natürlich kam bei diesem sehr intensiven Partnergemeinde-Treffen auch das Kulturelle und Historische der Region in Sachsen-Anhalt nicht zu kurz.

Ausflüge nach Oranienbaum mit Führung durch das in der Restaurierung begriffene Barockschloss samt Park, Pagode, Teehaus und Orangerie mit Kutschenmuseum standen ebenso auf dem Programm, wie die Besichtigung der Sankt Georgs Kirche mit ihrer ovalen Form, die von gigantischen Eichensäulen getragen wird und die, wie die mitgereisten Kirchenchorsänger unter Beweis stellten, über eine schöne Akustik verfügt. Auch die St.Jakobus-Kirche in Köthen anderntags mit ihren beiden Zwillingstürmen, sowie die Fürstengruft, die wir außerplanmäßig besichtigen durften, hinter-ließen ihren Eindruck, ähnlich wie Ferropolis, mit ihren monströsen Braunkohleabbau-Maschinen, Fräsen und Baggern in der Nachbarschaft der riesigen Binnen-Wasserfläche der Goitzsche.

Dass Radegaster und Pfälzer auch sensationell miteinander feiern können, erwies sich ein mal mehr beim gemütlichen Beisammensein im Schrebergarten-Treff, wo alle bei Sketchen, Gedichten und Gesang bis, ja bis weit nach Mitternacht zusammen saßen, erzählten, klönten und lachten.

Schön und wohltuend im wahrsten Sinne des Wortes auch die beiden gemeinsamen Gottesdienste dieser vier Tage. Da war samstags der Familiengottesdienst mit darauf folgendem Marionettentheater, unter der Federführung der Gemeindepädagogin Anke Zimmermann, die gemeinsam mit Frau Winkler auch die organisatorischen Vorarbeiten des Besuches anlässlich des Gemeindefestes betreute. Dabei stellte sie fest, dass die Partnerschaft zwischen Billigheim-Ingenheim und Radegast eine der wenigen ist, die quasi seit 1987 besteht und, trotz der einschneidenden Veränderungen seit der Wende, Bestand hat, während zahlreiche andere Partnerschaften gescheitert seien im Laufe dieser Zeit. Dies zeige doch deutlich die tiefe, auch emotionale Bindung vieler Menschen aus beiden Orten.

Daran anschließend der Auftritt „Der noch Namenlosen“, die unter dem Beifall der zahlreichen Zuhörer einen Querschnitt aus ihren bisherigen Programmen boten. Danach begann im Kirchgarten ein langer Grillabend, der allen im Gedächtnis bleiben wird, und nicht nur, weil zur mitternächtlichen Stunde eine stattliche Zahl von Elfen bei Mondlicht um eine „alte krächzende Eiche“ tanzte.

Der Sonntagsgottesdienst mit Abendmahl war, und das war spürbar, bereits ein wenig melancholisch überschattet vom bevorstehenden Abschied, denn der Bus stand reisefertíg vor der Kirche.
Er brachte Pfälzer und Radegaster dann nach Priesdorf zu einem gemeinsamen Mittagstisch, an dessen Ende Pfarrer Ralf Piepenbrink namens der Pfälzer sich bei den Radegaster Freunden für die überaus herzliche Aufnahme und Gastfreundschaft, die schönen Tage und Erlebnisse bedankte.
In der Tat, die Radegaster hatten das FIFA-WM-Motto für sich umgestaltet „Die Pfälzer zu Gast bei Freunden“ und, ohne Ausnahme, uns mit ihrer Gastfreundschaft und der Herzlichkeit ihres Wesens unvergessliche Tage bereitet.
Fritz Limbacher

Gemeindefest mit Theater

Bericht aus der Mitteldeutschen-Zeitung am 19.06.2006 über den obigen Besuch in Radegast.

„So ein Theater“ lautete das Motto des Kirchengemeindefestes in Radegast. Und Theater gab es auch, dargeboten durch das Kirchenkabarett „Die (noch) Namenlosen“ aus der Partnergemeinde Billigheim-Ingenheim.
Seit 20 Jahren pflegen wir nun schon diese Gemeindepartnerschaft, berichtet Irmtraud Holk aus Billigheim-Ingenheim in der Pfalz. Sie ist nur eine von mehreren Besuchern aus der Partnergemeinde der Kirchengemeinde Radegast.
Die Pfälzer sind zum wiederholten Male im Landkreis Köthen zu Gast. Innerhalb des viertägigen Aufenthaltes wurde dieses Jahr das vierte Gemeindefest zum Thema „So ein Theater“ gefeiert. Zum Auftakt des gemütlichen Beisammenseins gab es einen Familiengottesdienst mit den Kindern der Christenlehre.

Danach setzte man sich an die reichlich mit Kaffee und Kuchen gedeckte Tafel, die vor der Kirche aufgebaut war.
Sehr viel Mühe gab sich der Kreativkreis mit den selber gebastelten Marionetten, welche im Marionettenspiel „Hänsel und Gretel“ ihren Einsatz fanden. Mit viel Applaus und Freude der fast durchgängig erwachsenen Zuschauer wurde der große Aufwand der Freiwilligen belohnt.

Die Jüngeren wurden daraufhin mit Kreativangeboten und Spielen unterhalten und dann durften auch die „Großen“ die Bühne betreten. Das Kirchenkabarett „Die (noch) Namenlosen“ aus der Partnergemeinde Billigheim-Ingenheim bot einen Querschnitt aus seinen bisherigen vier Programmen. „Unser Ensemble besteht aus neun Personen und beschäftigt sich in seinen Stücken sowohl mit kirchengemeindlichen, als auch sozialen Themen wie z.B. der Gesundheitsreform“, erklärte Fritz Limbacher, einer der Aktiven im Ensemble. Einen Ausklang fand der ereignisreiche Nachmittag beim gemeinsamen Grillen mit netten Gesprächen.

Eine „sehr große Gastfreundschaft“ bescheinigte Irmtraud Holk der Evangelischen Gemeinde. „Sie geben sich sehr viel Mühe und es ist immer wieder bereichernd, hierher zu kommen“, so die Pfälzerin. Auch sei sie stolz, „dass die Partnerschaft mit Radegast über die Wende hin Bestand hat“. Mit der Zeit seien sehr viele Freundschaften geschlossen worden.

Besuch aus Radegast zum Purzelmarkt 2003

Am 19. September 2003 um ca. 21.00 Uhr kamen 23 Gäste aus unserer Partnergemeinde Radegast im ev. Gemeindehaus in Ingenheim an.
Kurz nach 13.00 Uhr waren sie in einem neuen 27-sitzigen Reisebus in Radegast gestartet und kamen nach 8-stündiger Fahrzeit wohlbehalten in Ingenheim an. Nach einer kurzen Begrüßung durch Pfr. Piepenbrink, konnten sich die Weitgereisten mit "Fläschknepp un Merettich" und den üblichen Getränken stärken. Anschließend wurden die Gäste in die Obhut der jeweiligen Gastgeber übergeben.

Am Samstagmorgen um 9.45 Uhr war Abfahrt zur Besichtigung der Kaiserstadt Speyer. 12 Personen aus Ingenheim begleiteten die Gäste nach Speyer. Auf der Fahrt informierte Hermann Dahl, der die Organisation und die Stadtführung übernommen hatte, über die geschichtlichen Ereignisse, die die Pfalz in den vergangenen 1000 Jahren ereilten, über das Klima und die Pfälzer Spezailitäten.
In Speyer angekommen, ging es zuerst zum Rhein, dann durch den Domgarten vorbei am Heidentürmchen und dem Ölberg zum Domplatz. Von hier aus konnte man den Sitz der Pfälzischen Landeskirche, das historische Museum der Pfalz, das Bischöfliche Palais und die Westfassade des Domes sehen. Nach einem Rundgang durch Dom und Krypta ging es zur Dreifaltigkeitskirche, von dort vorbei an der "Alten Münze" zur "Alten Schwartzschen Brauerei" wo das vorbestellte Essen, ein "Pfälzer Teller" mit Saumagen, Bratwurst, Leberknödel mit Sauerkraut serviert wurde. Frisch gestärkt ging es weiter zur Kirche St. Ludwig und über die Maximilianstraße, auf der gerade ein Bauernmarkt stattfand, zum Altpörtel. Die nächste Sehenswürdigkeit war die Gedächtniskirche, von dort ging es durch die Altstadt vorbei am Feuerbachhaus zum Judenhof, mit den Resten einer Synagoge und einem Judenbad. Bis zur Heimfahrt um 16.00 Uhr war noch Zeit zum Bummeln oder zum Besuch eines Straßenrestaurants.

Am Samstagabend stand dann für viele ein Besuch auf dem Purzelmarkt in Billigheim auf dem Programm.
Nach dem Besuch eines, (wegen des Purzelmarktumzuges), Kurzgottesdienstes in der Kirche in Ingenheim, marschierten die Gäste mit Ihren Gastgebern eilenden Schrittes nach Billigheim um dort den Festumzug mit über 40 Zugnummern anzuschauen. Auf den Fest-wiesen konnten dann Pferderennen, Wurstschnappen, Purzeln und Dreibeinlaufen sowie das Erklimmen der Kletterstange bewundert werden. Gegen 13.00 Uhr war Treffpunkt vor der Kirche in Billigheim zum gemeinsamen Kaffeetrinken, anschließend ging es zu Fuß zurück nach Ingenheim wo der Bus im Schatten neben der Kirche auf seine Fahrgäste wartete. Um 14.00 fuhren die Gäste wieder heim nach Radegast, das trotz anders lautenden Meldungen immer noch im Bundesland Sachsen-Anhalt liegt.
Hermann Dahl

Fahrt nach Radegast im April 2000

Fahrt nach Radegast im April 2000

Die Kontakte zwischen der kirchlichen Partnergemeinde Radegast waren in letzter Zeit etwas rarer geworden und so beschloss Pfr. Piepenbrink mit dem Kirchenchor, unter Leitung von Frau Hirsch-Piepenbrink, alte Bande zwischen unserer Kirchengemeinde und Radegast neu zu knüpfen und Radegast zu besuchen.
Am 28. April um 13 Uhr startete der Bus mit einigen Gemeindegliedern und einem Teil des Chores ins verlängerte Wochenende nach Radegast in Sachsen-Anhalt.
Um 21 Uhr erreichten wir unser Ziel. Nach einem herzlichen Empfang durch Pfr. Müller und den Gastgebern, bezog jeder sein Quartier. Alle wurden wie alte Bekannte in den Familien aufgenommen.
Am Samstag stand eine Fahrt mit unseren Gasteltern zu verschiedenen Sehenwürdigkeiten auf dem Plan. Bei herrlichem Wetter ging es los. Zuerst fuhren wir das malerische Saaletal entlang bis Wettin. Wettin ist der Stammsitz der Wettiner Fürsten, die auch in Dresden auf dem berühmten „Fürstenzug“ zu sehen sind. Von der Burg aus, die zu einer Schule umgebaut ist, konnte man weit in das Saaletal blicken.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen (Thüringer Klöße, Rotkohl und Schweinebraten) besuchten wir Gröbzig.
Hier steht noch eine alte Synagoge, die aller Zerstörungswut im Laufe der Geschichte entgangen ist, in ihrem ursprünglichen Zustand.
Danach ging es weiter zu einem beliebten Ausflugsziel der Sachsen-Anhaltiner, zu der Stiftskirche auf dem Petersberg bei Halle. Die romanische Kirche, eine ehemalige Augustiner-Chorherrenstiftskirche, ist heute Evang. Pfarrkirche. Sie beherrscht von der höchsten Erhebung aus das ansonsten flache Land. Seit kurzem leben vier Mitglieder einer evangelischen Bruderschaft auf dem Petersberg. Bruder Lukas führte uns durch die fast schmucklose Kirche, die durch ihre Einfachheit gefangen nimmt. Wir waren alle eingeladen beim Abendgebet durch Mitsingen und Mitbeten teilzunehmen. Es war eine sehr bewegende und schöne Abendstunde.
Der Sonntag war ausgefüllt mit Musik. Morgens trafen sich die Chormitglieder zur Probe für das Konzert. Nachmittags gestaltete der Chor den Gottesdienst in der Radegaster Kirche mit. Anschließend waren wir zu Kaffee, Kuchen und „Fettbemme mit Jurke“ (Schmalzbrot m. Gurke) eingeladen. Der neugegründete Heimatverein von Radegast war unser Gastgeber.
Abends gab der Ingenheimer Kirchenchor ein Konzert in der Kirche, als Gastgeschenk an die Radegaster Gemeinde.
Ein fröhlicher Liederreigen, kleine Flötenstücke in den Pausen, gespielt von Frau Hirsch-Piepenbrink und Eva Johannes umrahmt von Worten unseres Pfarrers, erfreuten die Zuhörerinnen und Zuhörer.
Ein gemeinsamer Abend im Gemeindehaus, bei kaltem Buffet und Pfälzer Wein, bildeten den Abschluß dieses erlebnisreichen und fröhlichen Wochenendes.
Am Montag verabschiedeten wir uns von den freundlichen Gastfamilien aus Radegast mit der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen in Ingenheim.
Nun ging es, nach einem kurzen Zwischenstopp in Erfurt, zurück in die Heimat.

Am Freitag, den 24. 5. 2002 brachen wir erneut mit den Sängerinnen und Sängern unseres Kirchenchores und weiteren Interessierten auf, um den 300. Geburtstag der Radegaster Kirche mit einem Konzert mitzugestalten.

Ralf Piepenbrink, Pfarrer in Ingenheim - Appenhofen, Billigheim - Mühlhofen

Werdegang einer Partnerschaft

Es war im Jahr 1985, als im Frauenkreis Ingenheim der Wunsch nach einer Partnerschaft mit einer Gemeinde in der DDR angesprochen wurde. Doch so einfach war das nicht. Denn: Die pfälzische Landeskirche ist etwa dreimal so groß wie die Kirche in Anhalt – da waren die meisten Gemeinden schon vergeben. Daher vertrauten wir unser Anliegen dem Diakonischen Werk in Speyer an. Frau Mand – Referentin damals für DDR-Kontakte -versprach uns, eine entsprechende Gemeinde zu suchen. Doch zuerst hieß es einmal: warten – abwarten...

Dann eines Tages – es war der 11. Februar 1987 – bekamen wir Post vom Frau Mand. Da gäbe es eine Gemeinde Radegast – bisher betreut von der Kirchengemeinde Dannenfels unter Pfr. Bächler – aber für das kleine Dorf am Donnersberg war die Kombination mit Weißandt-Gölzau auf die Dauer einfach zu viel, darum sei Dannenfels bereit, Radegast an eine andere partnersuchende Gemeinde abzutreten.

Was war nach dieser freudigen Nachricht zu tun? Nun als erstes einmal eine Landkarte kaufen. Aber: da war große Ratlosigkeit – denn es gab im Gebiet der DDR gleich 3 mal einen Ort Radegast – einer lag bei Rostock – einer bei Groß Salitz (Ratzeburg) und einer bei Köthen. Nun nach einiger genauer Überlegung und nach ungefährer Kenntnis der Sachlage konnte eigentlich nur jenes Radegast bei Köthen in Frage kommen.

Frau Mand teilte uns noch mit: Radegast sei zur Zeit unbesetzt, da Dr. Lischko aus dem Dienst ausgeschieden ist. Zugleich nannte sie uns einige Adressen, an welche wir uns wenden könnten: Gerd Behrendt, Gerhard Damke und Else Kretzschmar.
Nach ersten Kontakten mit Herrn Behrendt wurden wir an Pfr. Hans Joachim Kirchert verwiesen, der – als rüstiger Pensionist – die Kirchengemeinde vorübergehend verwaltete. Das war alles im September 1987. Auf unser Anschreiben sandte Pfr. Kirchert uns gleich eine erste Orts- und Lagebeschreibung:

Radegast sei ein kleines Städtchen zwischen Halle und Köthen am Flüsschen der Fune gelegen. Der Name Radegast sei sehr alt und ginge wahrscheinlich auf den Namen eines Kriegsgottes zurück. 1244 sei Radegast erstmals urkundlich erwähnt. Im 10. Jahrhundert erfolgte die Christianisierung. Die Kirche wurde unter Fürst Leopold von Anhalt (der „Alte Dessauer“) im Jahr 1702 erbaut. Der Alte Dessauer sei auch der Schirmherr von Radegast gewesen. Hier wechselte er die Pferde und übernachtete manchmal daselbst.

Nun, es gäbe noch vieles zu erwähnen.

Das mit den Pferden hat ja bis heute (1987) Tradition und wurde unter Familie Hannig zu einem bedeutenden Gestüt aufgebaut für Trakenerpferde mit Herkunft aus Hannover. Noch heute ist es ein stattliches Anwesen mit vielen berühmten Zuchthengsten….

Nach all diesen Informationen war es klar: ein Besuch muß sein! Herr Behrendt stellte den entsprechenden Besuchsantrag und am 19. 10. 1987 brach die Pfarrfamilie mit Kind und Kegel zur ersten Schnupperfahrt nach Radegast auf.

Das war damals schon ein Abenteuer! Aufbruch zu etwas gänzlich Neuem! Aber da war zuerst die Grenze! Und da kannten wir uns gleich gar nicht aus: Abgezähltes Geld fürs Visum bereithalten – rausgeben war nicht! – warten – warten und noch mal warten – Paß- und Gesichtskontrolle – warten- langsam fahren – warten – Passausgabekontrolle – Gepäck- und Wagenkontrolle – und tatsächlich, nach gut einer geschlagenen Stunde waren wir durch!

Abends erreichten wir dann angestrengt, aber glücklich Radegast:
                                                                                                                                         

„Träumte oft von Deinen Linden, Heimweh raubte alle Ruh!
Ach so freundlich lachend winket mir dein schlanker Kirchturm zu!
Und mit goldnem Kreuze grüßt er, wertes Land auf Dich herab,
reiche Äcker, duftige Wiesen, hin zu meiner Lieben Grab.
Viele wohlgepflegte Wege tragen schönsten Obstgenuß
Froh zum heitren Petersberge silbern blinkt der Fune-Fluß.
Jetzt erreich ich deine Gärten, Schreite in den Park hinein,
unter dessen Blumenbeeten Ruhe einst auch mein Gebein.
Alte Linde! Bei dir finde ich nun mehr ein wenige Rast
Wurzelt fest in steter Treue, strebt empor in Himmelsbläue
Und in Deinen Blütenzweigen, die sich zum Willkommen neigen,
Rauscht der Sang vergangener Zeit, Sehnsucht nach der Ewigkeit.
Doch jetzt klingt vom Friedhofstor teure Stimme an mein Ohr.
Süßes altes Liebesband, warmer Druck von Freundeshand.
Lachst mich an mit blanken Straßen, schmucken Häusern,
trauten Gassen – weil du mich nun wieder hast – liebes altesRadegast!“

Von Hans Friedrich, Sohn des Sanitätsrates Dr. med.Friedrich.

Ja, so lernten wir es kennen: Radegast. Der „teure Christian“ wurde uns vorgestellt. Wir übernachteten im „Alten Dessauer“. Erste Kontakte mit dem Frauenkreis wurden aufgenommen – herzlich wurden wir begrüßt und ein freundlicher Abend für uns gestaltet. Das Presbyterium lud den Ingenheimer Pfarrer zu seiner Sitzung ein. Hier wurde der Grundstein gelegt für ein weiteres Vorgehen was die beginnende Partnerschaft betrifft.Wir denken noch an die verdutzten Gesichter, als Pfr. Piepenbrink zur Sitzung mit Pfälzer Wein ankam und keiner der Kolleginnen und Kollegen so recht wusste, ob er/sie nun trinken sollte/durfte oder nicht.

Und da war auch der frisch gebackene Vikar Müller: jung, dynamisch, voller Einfälle, voll Engagement, verheiratet, zwei Kinder und verdient 400.- Mark (!). Da muß man von der Sache Gottes sehr überzeugt sein, um all die Nachteile in Kauf zu nehmen, die ein Pfarramt hier in der DDR mit sich brachte. Und das war er!Nur einen Fehler hatte er – so meinte es sein emeritierter Kollege Kirchert: die Haare sind zu lang! Nun gut!Wir lernten die Gemeinde kennen. Dank eines genauen Planes, wo wir morgens, mittags und abends erwartet wurden!Und dennoch blieb ein wenig Zeit, die Gegend zu erkunden:Cösitzer Teich – ein Landschaftsschutzgebiet im ehemaligen Braunkohlenabbaugebiet mit reichhaltiger Vegetation, mit vielen Möglichkeiten zu vogelkundlichen Studien. (Ich lernte hier auf einem zum Begehen „gesperrten“ Hochsitz enge Bekanntschaft mit einem ganzen Hornissenvolk zu schließen!)Die Kirche wurde besucht, die Orgel durften wir sehen und die Organistin Frau Nebel, mit ihren damals 87 Lenzen, kennenlernen.Das Pfarrhaus hatte auch schon einmal bessere Zeiten gesehen. Und dann hatten wir Kontakt mit dem ehemaligen Pfarrehepaar Kirchert. Von 1950 – 1978 war er hier tätig und führte nach der Pensionierung die Geschäfte weiter. Seine tapfere Frau – 30 lange Jahre an Athrose leidend -, stand ihm dabei treu zur Seite. Die Pfalz kannten die beiden. Sie konnten im Herbst 1956 vier Wochen Urlaub in der Keysermühle in Klingenmünster machen.Eine erste Fahrt nach Wittenberg schloß sich an mit einem Gang durch die berühmte Schlosskirche, an deren Tür sich die in Bronze gegossenen 95 Thesen des Reformators Martin Luther von 1517 befinden.Vom 88 Meter hohen Turm hat man eine herrliche Aussicht. Dem Turm umschrieben sind die bekannten Worte: „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Viele liebe Begegnungen und Gespräche haben in dieser Zeit stattgefunden.

Es folgte ein reger Briefwechsel mit Pfarrer Müller und ein Jahr später war es wieder so weit: Die Visa waren eingeholt – wir brachen erneut nach Radegast auf. Diesmal in Gemeindebesetzung mit Frau Humbert, Frau Dahl, Frau Scheib und Herrn Gondosch. Wieder war die Spannung groß an der Grenze – aber man ließ uns rasch durch und – spät nachts – trudelten wir im schon träumenden Radegast ein. Dennoch wurden wir herzlich aufgenommen. Das Programm stand auch diesmal wieder fest:
Zuerst der obligatorische Besuch bei Bank und Volkspolizei.
Daß man extra für uns die Werksmiliz hatte aufmarschieren lassen mit Pauken und Trompeten haben wir denen hoch angerechnet (oder lag das einfach daran, dass die DDR Jahrestag hatte? Ist ja auch egal!)

Ein äußerst gelungener Gemeindeabend fand im Gemeindehaus statt mit kaltem Buffet und mit der Gitarre begleiteten Liedern. Bis tief in die Nacht währten die Gespräche.

Die Fahrt zum Petersberg (weit und breit die höchste Erhebung mit seinen immerhin 80 m!) war ein Erlebnis. Die Rundreise vorbei an der Teufelsmauer, Quedlinburg zum Ziegenkopf – lauter bleibende Eindrücke.

Trotz strengsten Verbotes kam es dann zur ersten Beteiligung im Gottesdienst. Schließlich sollte auch der geistliche Zusammenhang der Partnerschaft deutlich werden.

In dieser Zeit wurden viele Freundschaften geschlossen und so wurde der Abschied uns sehr schwer.

Wieder strich ein Jahr ins Land – diesmal sollte uns noch Größeres bevorstehen. Wir schafften tatsächlich zwei Fahrten in einem Jahr! Eine Vorfahrt im reinen Männerquartett (die Herren Karl Reuther, Jens Bunge, Roland Schlosser und ich) brachte uns an der Grenze zuerst ins Gefrötzel, welches sich in schwereres Geschimpfe verwandelte, da wir einen Radiorecorder (gedacht als Geschenk für das Pfarramt Radegast) an der Grenze zurücklassen mussten, weil wir nicht bereit waren, die geforderten 240.- DM Zoll dafür zu bezahlen. Wie immer wurde es spät in der Nacht. Da es ein Vorbereitungsbesuch war, wurde ein Gemeindeausflug im größeren Stil nachRadegast besprochen und durchorganisiert. Wichtige Entscheidungen wurden getroffen: Wieviele können mitkommen, wer kann bei wem untergebracht werden, welches Programm sollte ablaufen und wann sollte das alles stattfinden.
Die Kultur kam nicht zu kurz: Der Wörlitzer Park war unser äußerst lohnendes Ziel. Bald war der Abschied wieder da. Zurück blieb eine in gemeinsamer Hoffnung bestärkte und in Vorfreude auf den kommenden Gemeindebesuch aus Billigheim-Ingenheim harrende Gemeinde.

Der beabsichtigte Besuch fand dann in der Zeit zwischen dem 29. September und dem 2. Oktober 1989 statt. Doch zuerst große Aufregung: Die Visa kommen erst am Morgen des Abfahrttages! Darum hastiges Einpacken, Einkaufen, Zusammensuchen und abfahren.
Herzlichst wurden wir (natürlich wieder spät in der Nacht) durch Pfarrer Müller und anwesende Gemeindeglieder begrüßt und auch noch bewirtet, damit keiner hungrig ins Quartier gehen musste.

In Köthen besuchten wir die Jakobi-Kirche. Ein freundlicher Kirchendiener gewährte uns Einblick in die Gruft der Herrscher von Köthen. (Hier liegt auch Johann Sebastian Bach`s Fürst Leopold II.). Einige stiegen zum Turm hinaus, um von oben das Köthener Land zu Füßen zu haben. Mittagessen im Berthold Brecht-Club. Weiterfahrt nach Wittenberg mit einer interessanten Führung. Abends startete dann ein echt „Pfälzer Abend“ im „Alten Dessauer“.

Am kommenden Tag war Erntedankfest. Jens Bunge hielt in dem sehr gut besuchten Gottesdienst die Festpredigt. Es war eine gute Zeit, die wir zusammen verbringen konnten. Letzte Gedanken wurden ausgetauscht – irgend etwas lag in der Luft – keiner wusste so recht, was sich da zusammenbraute – doch eine gewisse Spannung hielt alle Beteiligten in Atem. Wir fuhren nach Hause – ohne zu wissen, was sich einen Monat später ereignen sollte, welches Weltereignis da kommen würde: die Befreiung – eine durchlässig gewordene Grenze – Hoffnung – Jubel – Feier – Grundrechte – glückliche Stunden.
Im Juni 1990 lagen dann erlebnisreiche Tage hinter unserer Kirchengemeinde. Die Partnergemeinde Radegast hat uns besucht. Es waren wunderschöne Tage der Begegnung und der Kontaktvertiefung. Nach einer Begrüßung im Gemeindehaus wurden die Gäste den Gastgebern anvertraut. Trotz großer Strapazen bei der Anreise (15 Stunden in einem überfüllten Zug!) beschloß eine Weinprobe den ersten Abend.
Am Samstag konnten unsere Gäste die Weinstraße kennenlernen. Abends fanden sich im Gemeindehaus alle ein zu einem bunten Abend. Da wurde gesungen und der Werdegang der Partnerschaft in Wort und Bild aufgezeigt. Und wieder Gespräche bis tief in die Nacht.
Nach dem Festgottesdienst am Sonntag zerstreuten sich die Pfälzer mit ihren Radegastern über das ganze Land oder erfreuten sich beim Jahreskonzert des MGV Ingenheim.
Am Montag war bei unseren Besuchern und Gästen noch soviel Geld da, dass man Radegaster und Ingenheimer in Landau beim Shopping sehen konnte. Schwer bepackt mit Einkäufen –aber auch mit vielen Erinnerungen an eine gute Zeit – hieß es dann auch bald wieder Abschied nehmen. Bei herrlichem Sonnenschein, Kaffee und Kuchen wurde sich gestärkt für die Heimreise.
Man kann sich vorstellen, wie schwer dann der Abschied wurde! Man hatte einander so sehr ins Herz geschlossen, dass sich niemand der Tränen schämen brauchte, die der Abschied mit sich brachte. Zurück blieb nach all den Tagen, außer den ganz persönlichen Eindrücken und Erinnerungen, eine Hand voll Nußknacker und Räuchermännchen, welche die Radegaster uns liebevoll übereignet hatten.
Diese Begegnung wäre nicht möglich gewesen ohne den Frauenkreis Ingenheim-Appenhofen. In ganz rührender, aufopfernder Weise haben sie das alles vorbereitet und durchgeführt, haben gebacken und gekocht. Dafür dem Frauenkreis ein ganz herzliches Dankeschön.
Wir hofften ganz inständig, dass diese guten Beziehungen sich noch weiter vertiefen und dass wir noch in diesem Herbst zu einem Gegenbesuch starten könnten.
Doch es sollte anders kommen, als geplant. Erst vom 30. April bis zum 3. Mai 1992 war es einer kleinen Gruppe aus Ingenheim-Billigheim vergönnt, einen Besuch in Radegast zu machen.
Nach einem schönen Gottesdienst am 1. Mai konnten wir die 36 neuen bleiverglasten Fenster der Radegaster Kirche bewundern. Für die Gemeinde dort bedeutete dies eine ungeheure finanzielle Anstrengung. Doch nun fühlt man sich wohl im Kirchenraum, nachdem die Kartonagen vor den Fenstern entfernt waren, welche notdürftig das Eindringen von Wind und Kälte verhindern sollten.
Mit einem feierlichen Gottesdienst wurden die neuen Fenster eingeweiht.
Die Freude war groß, als wir im Auftrag des Frauenkreises Ingenheim-Appenhofen eine unerhoffte Spende in Höhe von 4.000 DM überreichen konnten.
Über diese Ereignisse und die weiteren Begegnungen dieses Aufenthaltes in Radegast wurde dann später in Wort und Bild bei einem Gemeindeabend in Ingenheim berichtet.

Brief an den Frauenkreis der Kirchengemeinde Ingenheim

Radegast 14.05.1992
Liebe Schwestern unserer Partnergemeinde!
Schalom! – Friede sei mit Euch und seid alle ganz herzlich gegrüßt!
Im Namen unserer Kirchengemeinde Radegast, des Gemeindekirchenamtes und auch der Einwohner unserer Stadt möchte ich mich ganz herzlich und ausdrücklich für die große Spende des Frauenkreises bei allen Gebern und Spendern bedanken. Von dem Geld haben wir die Reparatur und Neuanfertigung der 36 kleinen Bleiglasfenster unserer Kirche mitfinanziert. Jetzt kommt wieder Licht in Gottes Haus und die Besucher müssen nun nicht länger in die Röhre, sprich Pappe, gucken. Auch von außen sieht unsere Kirche nun wieder wie neu aus und man hat nicht länger den Eindruck, man stände vor einem zugenagelten Stallgebäude mit einem zu groß geratenen Dach.
….. Deshalb sind Sie und alle jederzeit herzlich willkommen, um mit eigenen Augen zu sehen, was aus dem Geld geworden ist, das Sie in Ihrer Basaraktion für uns zusammengesammelt haben. Ich weiß die Spende des Frauenkreises ganz besonders zu würdigen und freue mich für unsere Gemeinde, die solche Schwestern (und Brüder) als Partnergemeinde hat.
Mit vielen lieben Grüßen von Gemeinde zu Gemeinde
Ihr Pfarrer Andreas Müller.

Vom 8. – 11. Oktober 1992 erhielten wir Besuch aus Radegast.
17 Gemeindeglieder haben sich auf den (sehr langen Bahn-) Weg gemacht, um neben der ganz wichtigen Kontaktpflege einmal einen Zeitpunkt mitzuerleben, wo unsere Winzer die Arbeit eines ganzen Jahres mit der Weinlese zu Ende bringen. Es gab auch Gelegenheit, einmal selbst die Hand bei der Lese mit anzulegen und den Weg zu verfolgen, den die Trauben von der Rebe bis ins Faß zurücklegen. Daneben hatten wir Zeit in Gesprächen Einblick zu nehmen und Anteil zu gewinnen an den Freuden, besonders aber auch an den Sorgen, die unserer Partnergemeinde zur Zeit zu schaffen machen (große Renovierungsprojekte fast aller ihrer Gebäude!).
Ein gemütlicher Abend mit der ganzen Gemeinde beschloß dieses gemeinschaftstiftende Zusammenkommen.
Im Jahr 1994 stand dann der Gemeinde Radegast ein großes Fest ins Haus: 750 Jahre Stadt Radegast. Vom 12. – 15. Mai wurde diese Gelegenheit wahr genommen, einen Besuch in Radegast zu ermöglichen. Das war eine gute Gelegenheit, alte Kontakte zu intensivieren, bzw. neu zu beleben. Denn der Eindruck ließ sich nicht verwehren, dass die anfängliche Begeisterung an der Partnerschaft etwas mit der Zeit erlahmt war.
1995 kam dann eine Delegation aus Radegast in die Pfalz. Wieder gab es einen konkreten Anlaß: Unser Prot. Gemeindehaus Ingenheim konnte auf eine 10-jährige Zeit nach seiner grundlegenden Renovierung zurückblicken. Dieses Fest feierten wir gemeinsam mit einem Gottesdienst zum Thema: „Biblische Modenschau“.